CARINA BRANDES, `Untiteld`
August 1 – September 6, 2020

Installation view, CARINA BRANDES, ‚Untiteld‘, public space Galerie Nina Mielcarczyk, Leipzig, 2020
Installation view, CARINA BRANDES, ‚Untiteld‘, public space Galerie Nina Mielcarczyk, Leipzig, 2020
CB (081F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 310 x 225 cm
Installation view: Carina Brandes, `Untiteld`,2020, public space Galerie Nina Mielcarczyk, Leipzig
Installation view, CARINA BRANDES, ‚Untiteld‘, public space Nina Mielcarczyk, Leipzig, 2020
CB (207F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 310 x 232 cm
Installation view, CARINA BRANDES, ‚Untiteld‘, public space Nina Mielcarczyk, Leipzig, 2020
CB (140F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 310 x 209 cm
CB (000F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 315 x 230 cm
CB (194F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 230 x 315 cm
CB (158F), o.T. , 2020, s:w druck auf Fahnenstoff, 310 x 225 cm   

Einem Flügelschlag gleich strebt das freistehende Dach gegenüber der Halle 18 auf der ehemaligen Baumwollspinnerei sanft in Richtung Himmel. Die ungewöhnliche Form eines umgekehrten Daches, das auf zwei filigranen Stützen ruht, ist das Relikt einer DDR-Tankstelle. Seiner ursprünglichen Funktion beraubt eröffnet der Standort dank der Installation von Carina Brandes (*1982) neue Perspektiven. Auf wehenden Fahnen winden sich ihre Bilder im Freien unter dem Schutz des Daches, flattern bei Windstößen und schwingen entspannt bei nur leichtem Luftzug. Die Suche der Bildmotive ist bei Brandes wesentlich von Körperhaltung und Dynamik der Bewegung bestimmt. Der eigene Körper – bemalt, maskiert oder nackt, bisweilen begleitet von Requisiten, Tieren, Puppen und anderen Frauen – dient als Instrument für die Bildkomposition. Brandes fotografiert in Schwarz-Weiß mit der Analogkamera und bannt ihre „Filmstills“ bevorzugt als Handabzüge auf Barytpapier. Die kurze Zeit zwischen Aktivierung des Selbstauslösers bis zur Aufnahme und die daraus resultierende Spontaneität und Schnelligkeit des vollzogenen Bewegungsablaufs spielen für die Bildfindung eine entscheidende Rolle. Auf diese Weise entlockt die Fotografin der Realität unwirkliche Momente von poetischer Überhöhung und mythischer Kraft. In enger Zusammenarbeit mit Nina Mielcarczyk (*1985) entstand die Idee, diesen wenig beachteten Ort auf dem Spinnerei-Gelände im Rahmen eines Ausstellungsprojektes zu bespielen. Durch den Materialtransfer ihrer Fotografien auf semitransparenten, freihängenden Fahnenstoff überführt Brandes die Motive zurück in ihren ursprünglichen, organischen Bewegungszustand und ermöglicht die Rückverortung in den Außenraum, dem Entstehungskontext der meisten ihrer Bilder. Die nach oben, anstatt nach unten geneigten Dachseiten der stillgelegten Tankstation nutzt Brandes als Reflexionslinien, an denen sich die Welt bricht. Himmel (First) und Erde (Traufe) tauschen hier in spiegelbildlicher Umarmung ihre Rollen. In diesem nicht eindeutigen Setting und beeinflusst von Luftbewegungen unterliegen die Werke von Brandes unkontrollierten Metamorphosen und entfalten auf diese Weise ihre natürliche, lebendige Wesenhaftigkeit in kontinuierlicher Verschränkung von Raum und Zeit.                                                            

Text: Anka Ziefer