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NINA MIELCARCZYK

Julius Bobke
No Hurry

25.4. – 16.5.2026

Julius Bobke — No Hurry

Für seine Soloshow ‘No Hurry’ bei uns lässt sich in der Malerei von Julius Bobke ein Rückbezug auf das Bild selbst feststellen — die Arbeiten werden ganz aus sich selbst geschöpft. Während die vorherige Schaffensphase des Künstlers von Werken geprägt war, die spielerisch kunstgeschichtliche Symbole mit persönlicheren Themen vermischten, ist in ‘No Hurry’ der Name Programm. In einer spürbaren Ruhe und entschiedenen Gerichtetheit auf die Beziehungen zwischen Mustern, Methoden, Relief und Komposition bildet sich eine neue Haltung ab. Die Gemälde bleiben mehr bei — oder besser: unter sich — anstatt auch stets eine vordergründliche Ebene des Verweises nach außen zu bedienen.

Das bedeutet jedoch weder, dass nicht weiterhin eine Vielzahl historischer und moderner Figuren und Stile mitschwingen, noch dass das Handwerk nicht schon immer eine zentrale Rolle in Bobkes Arbeit gespielt hätte. Im Gegenteil: Durch den sichtlich bedachteren, befragenden Ansatz treten diese bereits verinnerlichten Aspekte deutlicher hervor.

Der Ausgangspunkt scheint dabei ähnlich zu bleiben. Persönlich, teils fast naiv anmutende, fragmentierte Gesten und Spiele vermeintlicher Alltäglichkeit — etwa die, irgendwo zwischen panisch und auffordernd weisenden Hände in ‘Trouble’ oder Waldspaziergänge (‘A perfect Daydream’) — lassen auf Erinnerungen und Beobachtungen des Künstlers schließen. Diese werden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und in abstrakte, zeitgenössische Farb- und Knetwelten übertragen, die in ‘No Hurry’ zudem nachdrücklich märchenhaft vom deutschen Expressionismus angeregt sind.

Ein klarer Unterschied liegt anderorts. Das Einzige, was ganz abwesend ist aus den letzten Jahren, ist der Digitaldruck, der zuvor einen wichtigen Teil Bobkes Werkzeugkasten darstellte. Im Gespräch beschreibt Bobke dies als bewusste Entscheidung, die früh im Arbeitsprozess getroffen wurde und sich konsequent in die neue, eben nicht-geeilte Haltung einfügt.

Die gesamte Ausstellung ist nun in Öl gemalt oder geknetet. Die Vereinfachung dessen hat einen entbindenden Effekt auf die emotionale Wirksamkeit der zugrundeliegenden, persönlicheren Fragen: Zugehörigkeit und Maskulinität, Konkurrenz und Erschöpfung. Themen, die Bobke schon immer begleiten — tatsächlich ist dabei auch sein eigenes, minimalistischeres Frühwerk ein wichtiger Knotenpunkt. Es wirkt als würde sich der Künstler nach zehn Jahren Schaffen nun selber noch einmal treffen. “Wer darf mitspielen?”, sagt Bobke im Gespräch und lacht es halb weg. Es ist aber eine ganz entscheidende Frage.

Zwei Beispiele: Erstens die durchschlagende Deutlichkeit von ‘Konditester’ wirft weitergehende Fragen auf, wie: “Wer darf Pause machen — und wie? Und, übrigens, was eigentlich, wenn es wer nicht packt?”. — Zweitens ist da das eponyme Gemälde ‘No Hurry’ selbst, in welchem die kleine Schildkröte auf der Kette vermeintlich schon einen Großteil ihrer Reise hinter sich gebracht hat. Nur ein letztes Stück aufgefädelten Weges bleibt — doch sie verharrt. Was wie ein Satz aus einem Pixar-Drehbuch klingen könnte, wird von Bobke in der zugrundeliegenden, geradezu mythischen Tiefe enthüllt.

Text: Fredi Thiele

Julius Bobke, No Hurry, 2026, Öl, Plastilin auf Leinwand, 180 x 135 cm, Gerahmt
Julius Bobke, Circling Back, 2026, Öl, Plastilin  auf vernähter Leinwand, 180 x 135 cm, Gerahmt
Julius Bobke, Trouble II, 2026, Öl, Plastilin  auf vernähter Leinwand, 180 x 135 cm, Gerahmt
Julius Bobke, On the Set, 2026, Öl, Plastilin  auf Leinwand, 180 x 135 cm, Gerahmt
Julius Bobke, A perfect Daydream, 2026, Öl, Plastilin  auf Leinwand, 180 x 135 cm, Gerahmt
Julius Bobke, Well obviously, 2026, Öl, Plastilin  auf vernähter Leinwand, 160 x 115 cm, Gerahmt
Julius Bobke, trouble, 2026, Acryl, Öl, Plastilin, Sprühfarbe auf genahtem Leinen, 160 x 130 cm
Julius Bobke, Yet Untitled (Silver Trees), 2026, Öl, Plastilin, Sprühfarbe auf Leinwand, 25 x 20 cm
Julius Bobke,  Konditester, 2026, Acryl, Öl, Plastilin, Glitzer auf Leinwand, 40 x 60 cm